Megatrend Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft – Megachance für die Next Generation?

Die Auswirkungen der  Digitalisierung auf unsere Branche wird überall diskutiert. Der Begriff „Megatrend“  beschreibt einen langfristigen, tiefgreifenden Trend, welcher deutliche Auswirkungen hat und weitreichende Veränderungen mit sich bringt. Er verändert nicht nur einzelne Segmente des sozialen Lebens und der Wirtschaft – er formt ganze Gesellschaften neu.

Megatrend Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft

Welche Chancen bringt der Wandel für die Immobilienwirtschaft mit sich, insbesondere für die Next Generation? Das war das zentraleThema am 19. April, zu dem sich über 50 junge und jungebliebene Mitglieder der Immobilienjunioren gemeinsam mit Andreas Wende beim Afterworktreffen  in der NOX Bar in Hamburg austauschen konnten.

Über 50 Teilnehmer beim Afterworktreffen zum Thema Digitalisierung

Einen Auszug des Impulsvortrages von Andreas möchte ich zusammengefasst wiedergeben, bzw. aus seinem Vortrag zitieren.

Digitalisierung ist die Zukunft unserer Branche

Unser Gastredner und Special Guest, Andreas Wende, ist unter anderem Vorsitzender des Ausschusses „Büro“ beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA). Der Verband vertritt die Interessen der Branche in Berlin, Brüssel und im BDI.

„Digitalisierung ist nicht nur ein kurzes Aufflammen und Verglühen. Nein, Digitalisierung ist die Zukunft unserer Branche.“

Beispiele dafür:

  • Demnächst telefonieren wir nicht mehr mit unserem Hausverwalter, sondern chatten mit einem Bot. Zu jeder Zeit an jedem Ort ist der Verwalter somit für uns erreichbar. Alle Prozesse werden automatisch an die richtigen Stellen weitergeleitet.
  • Demnächst benötigen wir keine aufwendigen technischen Zeichnungen und Entwürfe mehr. Das übernehmen digitale Lösungen für uns. Die Baugenehmigung erfolgt dann ebenfalls voll automatisiert per Knopfdruck. Jedes Projekt ist dann reproduzierbar, überall auf der Welt.
  • Unser Zuhause wird smart. Das bedeutet nicht nur, dass wir unsere Möbel per Smartphone steuern, sondern dass unsere Wohnung weiß, wann wir nach Hause kommen und warme vier Wände wollen.

Buzzword PropTech

Der digitale Wandel hat längst Einzug in die Immobilienbranche gehalten. Der ZIA hat für PropTech eine eigene Definition entworfen:

„PropTech ist ein Kofferwort und setzt sich aus den Wörtern property services (Dienstleistungen der Immobilienwirtschaft) und technology zusammen. Mit PropTech wird die Branche bezeichnet, in der Immobiliendienstleitungen durch technische Lösungen angereichert und/oder verändert werden. PropTechs sind häufig Startups und richten sich sowohl an Unternehmen (B2B) als auch an Endverbraucher (B2C). Sie zielen entweder auf effizienzsteigernde Maßnahmen für bestehende Prozesse oder die Einführung neuer Technologien und Geschäftsmodelle, die ältere ablösen könnten, ab.“

Bereits Mitte 2016 hat der ZIA zudem eine Umfrage unter Entscheidern der Immobilienwirtschaft und Startup-Unternehmen aus dem PropTech-Segment durchgeführt.

Die Erkenntnisse waren klar und deutlich:

  • Über 90 Prozent der etablierten immobilienwirtschaftlichen Unternehmen identifizieren das Thema Digitalisierung als sehr relevantes Handlungsfeld.
  • Laut sämtlichen Befragten könnten PropTech-Startups maßgeblich dazu beitragen, den Umsatz der Grownups zu erhöhen.
  • Nur wenige Grownups befürchten Disruption durch neue Geschäftsmodelle.
  • Das Thema Digitalisierung ist für 35 Prozent der Grownups Chefsache. Bei PropTechs sind es 45 Prozent.
  • Und: Grownups investieren durchschnittlich 5,5 Prozent ihres Umsatzes in den digitalen Wandel.

Man könnte also meinen, dass viele Unternehmen gut gewappnet sind auf dem Wege in die Digitalisierung. Doch das Bild täuscht leider. Wir sollten nämlich bedenken, dass bei der Umfrage – 152 Personen haben sich daran beteiligt – die First Mover mitgemacht haben. Also die Grownups, die ohnehin auf die Digitalisierung setzen.

Von CDO bis Digitalisierungsbeauftragte

Insbesondere die großen Marktteilnehmer haben bereits eigene Abteilungen gegründet, die sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen. Es werden Heads of Digital Innovations, Chief Technology Officers oder Digitalisierungsbeauftragte berufen. Sie pflegen den Kontakt mit Startups und fördern diese sogar. Unternehmen investieren einen spürbaren Anteil ihres Umsatzes, um von der Digitalisierung zu profitieren. Doch unsere Branche besteht nicht nur aus den Marktführern.

In Deutschland gibt es rund 790.000 Immobilienunternehmen. In den Immobilienunternehmen arbeiten rund 2,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Erwerbstätige. Also kann man feststellen: In jedem Immobilienunternehmen arbeiten durchschnittlich 3,5 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Wir kennen die großen Player unserer Branche, also zum Beispiel Vonovia, ECE, CBRE und Union Investment. Diese Unternehmen sind gut aufgestellt und haben das Thema Digitalisierung verinnerlicht. Bei den kleineren Unternehmen, den Mittelständlern, sieht es jedoch teilweise komplett anders aus. Ein Auszug typischer Sätze:

  • Das haben wir schon immer so gemacht.
  • Das wird sich niemals durchsetzen.
  • Die haben doch keine Ahnung von meinem Geschäft.  (Ein Satz, den viele Startups zu hören bekommen.)

„Digitalisierungs-Verweigerer“ werden häufig zu „Digitalisierungs-Propheten“.

Denn nichts anderes ist es, was die Sätze meinen. Können wir heutzutage solche Sätze hinnehmen? Wer hätte denn vor zehn oder 15 Jahren geglaubt, dass es vollkommen normal ist, überall auf der Welt auf E-Mails via Smartphone reagieren zu können?

Unvergessen: Aufstieg und Fall von Nokia

Nokia war der Weltmarktführer bei Handys. 2007 kam dann das erste iPhone auf den Markt, damals wurde es von der Konkurrenz belächelt. Im gleichen Jahr wurde es zur „Erfindung des Jahres“ gewählt. 2011 wurde Nokia als Weltmarktführer abgelöst.

Digitalisierung heißt Effizienzsteigerung und Automatisierung

Unserer Branche kann das gleiche passieren. Makler, die heute in ihren Regionen führend sind, könnten Gefahr laufen, die Digitalisierung zu verpassen und den Anschluss zu verlieren. Digitalisierung heißt  Eröffnen von neuen Möglichkeiten und Vereinfachung des beruflichen Alltags.

Sicher kennen viele den Begriff Building Information Modeling, kurz BIM.

Building Information Modeling, also die digitale Gebäudedatenmodellierung, meint die optimierte Planung, Entwicklung und Bewirtschaftung von Immobilien durch digitale Möglichkeiten.

Architekten, Fachplaner, Projektentwickler und Projektsteuerer, aber auch Facility und Property Manager sowie Investoren sollten bei diesem Thema genau zuhören.

Die Grundidee von BIM ist simpel. Sämtliche Gebäudedaten werden mit Hilfe einer Software erfasst, die Immobilie wird sozusagen digital geplant. Alle Daten werden gesammelt und mit sämtlichen Beteiligten und ihren Angeboten abgeglichen. Die Software sammelt sämtliche Informationen der Immobilie, also von konkreten Entwürfen und Grundstücksdaten hin zu einzelnen Gewerken, ihrer Verfügbarkeit und ihren Kosten. Basierend darauf wird prognostiziert, wie schnell die Immobilie zu welchen Kosten entwickelt wird. Und an welcher Stelle Risiken bestehen, auf die sämtliche Beteiligten achten sollten.

Building Information Modeling ist einer der Megatrends innerhalb der Digitalisierung

Viele Entwickler setzen bereits darauf. Durch BIM steigt die Planbarkeit der Immobilie bei zeitgleich sinkendem Kostenrisiko. Aufgrund der zahlreichen Vorteile ist BIM in einigen Ländern bereits Pflicht bei neuen Bauvorhaben, so etwa in den Niederlanden. In Deutschland wird die Methode bislang noch sehr wenig genutzt, aber der Trend zielt ganz klar in diese Richtung.

Und keiner wird dann sagen können: Das wird sich nicht durchsetzen.

Die Immobilienwirtschaft ist in Zeiten der Digitalisierung so stark wie noch nie auf junge und exzellente Mitarbeiter angewiesen. Digital Natives werden das Bild unserer Branche verändern.

 

„Immobilienjunioren sind gefragt, den Megatrend Digitalisierung voranzutreiben.“

 

„Neue Möglichkeiten zu erhalten, neue Wege zu beschreiten, all das macht den Alltag spannender. Es ist umständlich, Termine mit mehreren Teilnehmern zu koordinieren? Automatisiert diesen Prozess. Ständig das gleiche zu machen nervt? Kein Problem, zeigt euren Chefs, wie dieser Prozess optimiert werden kann.

Die Branche wird stärker aus diesem Wandel hervorgehen, als sie vorher war. Das war schon immer so, bei allen Megatrends. Wir müssen sie nur richtig für uns nutzen!“

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