Die Brisanz, die hinter der Wohnungsknappheit steckt, macht eine aktuelle Studie deutlich, die das Prognos-Institut kürzlich auf dem Wohnungsbau-Tag präsentierte. Unter dem Titel „Wer baut Deutschland?“ machen die Wissenschaftler darin eine „Inventur zum Bauen und Wohnen 2019“.

Gerade in den gut 40 Städten, in denen die Lage auf den Wohnungsmärkten am angespanntesten ist, findet insgesamt zu wenig Wohnungsneubau statt. Er verlagere sich ins Umland und in die Speckgürtel. Dies wiederum habe erhebliche Folgen für die Mobilität, da der Pendlerverkehr dadurch wachse. Das Verbändebündnis Wohnungsbau fordert daher von den Kommunen, den ÖPNV deutlich auszubauen.

Eine weitere Folge des Wohnungsmangels hat, so die Studie, unmittelbare Auswirkungen auf die Quantität und Qualität des Wohnens selbst: Die neu gebauten Wohnungen werden kleiner. Die durchschnittliche Wohnfläche je Neubauwohnung ist in den letzten sechs Jahren um rund 10% zurückgegangen.

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Das Prognos-Institut weist in seiner Studie nach, dass teurer werdende Baugrundstücke die Mieten erheblich nach oben treiben. Allein durch die Erhöhung der Geschossflächenzahl – also durch das Verdichten, das „Wachsen von Gebäuden nach oben“ – sei es möglich, den Anstieg der Mieten im Neubau zum Teil erheblich zu bremsen.

Weiterhin werde mehr Verlässlichkeit bei wohnungsbaupolitischen Instrumenten und beim Förderrahmen gefordert. Das Verbändebündnis Wohnungsbau übte auf dem Wohnungsbau-Tag letzte Woche scharfe Kritik an Bund, Ländern und Kommunen: „Es passiert auf allen drei Ebenen viel zu wenig. Der Wohnungsbau kommt nur schleppend voran, weil ein beherztes politisches Zupacken fehlt.“ Dazu gehörten bei Bund und Ländern vor allem auch eine deutliche Entschlackung der Bauvorschriften und bei den Kommunen zügigere Genehmigungsverfahren durch mehr Personal und Digitalisierung in den Baubehörden.

Die Prognos-Studie wurde vom Verbändebündnis Wohnungsbau beauftragt. In dem Bündnis haben sich sieben Organisationen und Verbände der Bau- und Immobilienbranche zusammengeschlossen – darunter der Deutsche Mieterbund (DMB) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Ebenso der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM).

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http://www.deal-magazin.com/news/82171/Masterplan-fuer-sozialen-und-bezahlbaren-Wohnungsbau-gefordert