Wer am 25. Juni bei den Frankfurter Immobilienjunioren dabei war, wird sich gefragt haben, warum wir uns im Industriegebiet des Frankfurter Ostens treffen. Die Location ist nicht nur wunderschön, sondern passt zum Motto, dazu gleich mehr. Jedenfalls freuten wir uns sehr, dass so viele den Weg ins Ostend gefunden haben. Das auch noch bei 36 Grad!

Frankfurter Immobilienjunioren meets Jürgen F. Kelber powered by Dr. Lübke & Kelber

Ein U.F.O im Gewerbegebiet

Das Haus steht dort, mit großen Architekturpreisen versehen, seit knapp 15 Jahren mitten im Industriegebiet. Es ist eine Entwicklung von Ardi Goldman, eine der schillerndsten Figuren der Stadt. Mit seiner Immobiliengesellschaft hat er Frankfurt in den vergangenen Jahrzehnten mitgeprägt. Anfangs war Goldman „nur“ reicher Erbe. Doch dann setzte er sein Geld unternehmerisch ein, um Häuser zu bauen und Stadtentwicklung zu betreiben. Ganze Quartiere hat er entwickelt und gilt als „König des Ostends“. Hier erschloss er das Gelände und ließ das futuristische Bürogebäude bauen. Sven Väth betrieb im Gebäude seinen „Cocoon Club“.

Immobilienjunioren @U.F.O

Heute verirrt sich kein Szenegänger mehr dorthin, seit es das Gibson auf der Zeil gibt. Der Versuch war klug, mit der gezielten Ansiedlung von hippen Clubs, Stadtentwicklung voranzubringen. So funktioniert es auf dem Papier. Wer sich im Umfeld umschaut, sieht, dass das in der Realität nicht geklappt hat. Man kann die Szene kaum aktiv steuern. Oder war er der Zeit zu weit voraus?

Integres Handeln ist ein wesentlicher Wert des Unternehmertums

Um spätestens 20 Uhr muss Ardi Goldman als Freigänger zurück in der Justizvollzugsanstalt Euskirchen sein*. Goldman hatte einen Manager der Fraport AG bestochen, um in der Cargo-City Süd in den Genuss von Erbbaurechten zu kommen. Das bedeutet zwei Jahre und acht Monate Haft. Er hat also, bei aller Hochachtung vor den Projekten und seinem unternehmerischen Mut, das rechte Maß verloren und das wurde ihm zum Verhängnis. Er hat einen ganz wesentlichen Wert nachhaltigen Wirtschaftens außer Acht gelassen: integres Handeln. Unternehmertum kann auch schiefgehen…. Ein Einschlag im persönlichen Track Record! Sicherlich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, aber ein Rückschlag.

Track Record des Managements

Mitte des Monats in Berlin, hatte ich ein interessantes Gespräch. Es ging dabei ebenfalls um Unternehmertum und darum, wie Investoren Unternehmen bewerten. Dabei werden verschiedenste Aspekte mit einbezogen. Neben wirtschaftlichen und harten Fakten, ist einer davon, die Bewertung des Managements. Was zeichnet den Gründer als Menschen aus? Ein ganz wesentliches Kriterium für den Unternehmenswert, letztendlich das, was ein Investor bereit ist für ein Unternehmen zu bezahlen, ist der Track Record des Managements. Den Begriff verbinden wir aus der Branche schnell mit Immobilienprojekten. Aber es geht auch direkt um die Personen selbst: Wie ist es um die Erfahrung als Geschäftsführer bestellt? Wie viele Unternehmen hat er oder sie schon gegründet, aufgebaut und erfolgreich veräußert?

Am Abend lernten wir Jürgen F. Kelber kennen. Er zählt heute zu den erfolgreichsten Managern im Wohnimmobilienbereich mit einem beeindruckenden Track Record – sowohl als Manager, als auch aus Immobiliensicht. Aber zunächst kurz zu Marc Sahling, Geschäftsführer bei Dr. Lübke und Kelber in Frankfurt. Ohne ihn wäre die Veranstaltung nicht zustande gekommen. Wir haben uns vor vielen Jahren in Berlin in einer kleinen Immobilienrunde in Charlottenburg kennengelernt. Ich war von seinem Spirit sehr angetan und habe deshalb jahrelang nicht lockergelassen, den Kontakt über die sozialen Medien aufrecht zu halten. Einen Ansatz hatten wir viele Jahre nicht. Bis zur gemeinsamen Veranstaltung!

Wesentliche Steps, Entwicklungen und Exits

Jürgen F. Kelber gründet 1985 in Heilbronn ein eigenes Immobilienunternehmen. Ein 18 Quadratmeter großes Büro, keine Mitarbeiter. Es firmiert zunächst unter Schwaben Immobilien und erhält später den Namen Alt & Kelber Immobilienkontor.

Dieses Unternehmen wird sich in den folgenden Jahren intensiv in der Wohnungsprivatisierung engagieren. Immer mit dem festen Anspruch verbunden, zuerst die Mieter zu Eigentümern zu machen. Immer mit dem Anspruch, nur sozialverträglich zu agieren. Der Name Alt & Kelber wird zu einer festen Größe in der Branche. Immerhin fast 50.000 Wohnungen sollen es später sein, die das Unternehmen vermarktet.

Kelber steuert in den 2000ern inzwischen ein Unternehmen, das auf 400 Mitarbeiter angewachsen ist und an fast 50 Standorten in Deutschlands Büros unterhält. Die Zielmarke von 50.000 Wohnungen rückt immer näher.

Der Wiener Immobilienkonzern CONWERT (gehört heute zur Vonovia) erwirbt 2008 von Jürgen F. Kelber dessen Immobilienunternehmen mit 400 Mitarbeitern. Er entwickelt als Vorstand der CONWERT das integrierte Unternehmen zum Asset Manager. Ende 2012, nach Auslauf seines Vertrages, hat er den Konzern verlassen, um sich wieder mittelständischen Perspektiven zuzuwenden. Seither ist er zurück, um die Beratungs- und Transaktionsdienstleistungen von Dr. Lübke um Kapitalmarktkompetenz zu erweitern und damit eine überzeugende Wertschöpfungskette vom Investment Management über das Asset Management bis zur Transaktionsberatung zu schaffen. Weiterhin investiert er in Start-ups und fördert junge Unternehmer dann bereits, wenn diese bei den Banken noch durchs Raster fallen.

Key Facts des Vortrags

  • Was braucht ein Unternehmen, um auch langfristig erfolgreich zu sein?
  • Was zeichnet Kooperationsfähigkeit und Einsatzbereitschaft aus?
  • Welchen Stellenwert haben Menschenkenntnis, Kreativität und Motivation?
  • Warum sind Werte eine gute Grundlage für unternehmerischen Erfolg?
  • Wie setzt man sich langfristige Ziele?

Es geht darum, zu definieren wer man ist und wofür man steht. Aufschreiben, überprüfen, nachhalten. Das sind dann die so wichtigen Werte. Aber das Selbe gilt auch für die Ziele! Zwar sind langfristige, große Ziele wichtig, aber genau so elementar sind kleine, erreichbare Steps. Auch hier gilt: aufschreiben, überprüfen, nachhalten.

“Wer schreibt, der bleibt”

Jedes Unternehmen muss Gewinne erwirtschaften, sonst kann es nicht existieren. Aber dabei sollte immer auch die soziale Verträglichkeit Berücksichtigung finden. Wertschätzung von Kunden, Dienstleistern und den eigenen Mitarbeitern hat eine hohe Priorität! Unternehmer müssen Entscheidungen treffen. Jede Entscheidung sollte immer zu den festgelegten Werten passen.

Echtes Interesse an Menschen und ein regelmäßiger Austausch lässt uns wachsen und neugierig bleiben. Wir sollten nie die Schuld bei anderen suchen, sondern immer uns selbst hinterfragen.

Immobilienjunioren @U.F.O

Wir haben im Vortrag auch gehört, dass Einsatzbereitschaft zu den wichtigsten Bestandteilen unternehmerischen Handels zählt. Jeder, der sich nach einem langen Arbeitstag noch auf den Weg zu einer beruflichen Netzwerkveranstaltung macht, bringt diese bereits mit. Anspruch der Immobilienjunioren ist, euch den Ablauf und das Programm bei den Afterworktreffen so interessant und angenehm, wie möglich zu gestalten. In Frankfurt haben wir ein bisschen mehr Einsatz gefordert. Jeder, der sich darauf eingelassen hat, hat noch mal mehr von der wichtigen Eigenschaft. Ist es doch noch mal ein Unterschied bei über 30 Grad, aus dem Büro quasi in die Location zu fallen oder sich in das Auto oder die Bahn zu setzen, um herzukommen.

Ein großer Dank an das Team von Dr. Lübke & Kelber! Insbesondere an Sabine Erlemann und Julian Petri.

Weitere Termine in anderen Städten folgen 🙂

Fotos: Slawa Smagin

*Quelle: Frankfurter Rundschau vom 4. Juni 2018

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